ARTIST STATEMENT & BIOGRAFIE

Zeitgenössische Künstlerin Nina Groth

Artist Statement

Mein Leben kippte aus der Balance. Pläne, Hoffnungen, Sicherheiten zerflossen. Eine Trennung ist ein Lebensumbruch. Ich flog nach Barcelona. Nicht, um etwas Neues zu finden, sondern um wieder Halt zu spüren. Ich suchte nach einem Ort, an dem ich mich selbst sortieren konnte. Zwischen Straßenfesten, Gaudís Formenwelt und meinem inneren Stillstand wachte ich langsam aus meiner Taubheit auf. Ich kaufte Farben und begann zu malen. Schicht für Schicht. Entscheidung für Entscheidung.

Ein Kreisverkehr in Mumbai verändert alles

Und plötzlich erinnerte ich mich wieder an dieses Bild: Ein Kreisverkehr in Mumbai. Menschen, Tiere, Fahrzeuge, alles schien kurz vor dem Zusammenstoß. Und doch entstand immer wieder für einen Moment Ordnung. Ein Gleichgewicht auf Zeit, das sich sofort wieder auflöste und neu formte. Damals hatte ich es beobachtet. Jetzt erkannte ich – und fühlte –, was darin liegt. Stabilität ist nichts Festes. Sie entsteht im Prozess – immer wieder neu.

Die Malerei wurde zu dem Ort, an dem ich genau das erlebe: ordnen und verwerfen, aufbauen und zerstören, verschieben und neu setzen. Ein Raum, in dem ich entscheide – frei von Vorgaben, ohne Korrektiv. Ich male, um dieses fragile Zusammenspiel sichtbar zu machen – die Momente, in denen die Welt für einen Augenblick in Balance ist.

Künstlerin Nina Groth in der Hafencity Hamburg

Alles existiert parallel

Genau diese Dynamiken finde ich in Städten wieder. Für mich sind sie Systeme der Gleichzeitigkeit: Ordnung und Chaos, Struktur und Impuls, Überblick und Detail. Alles existiert parallel. Dort setze ich an. Ich male Städte. Ich arbeite mit ihnen. Daraus entwickeln sich abstrakt-figurative Stadtlandschaften mit klarer räumlicher Tiefe und vielschichtigen Bildebenen. Es entstehen verdichtete, fragmentierte Bildräume, die keine konkreten Orte abbilden, sondern eigenständige urbane Konstruktionen.

Ich arbeite mit dem Spachtel in Schichten aus Acryl, Spraypaint und Bitumen auf Leinwand. Die Zentralperspektive dient mir als strukturelle Grundlage, die ich bewusst aufbreche – durch gestische Eingriffe, Kritzeleien, Kratzspuren, Fragmente und Überlagerungen. Präzise Linien treffen auf offene Flächen, kleinste Details auf das große Ganze.

Ich entscheide, welcher Moment trägt

Im Prozess entstehen unterschiedliche mögliche Gleichgewichte aus Struktur und Impuls. Meine Bilder halten einen Moment fest, der ebenso gut ein anderer hätte sein können. Ich entscheide, welcher Moment trägt. Was bleibt, ist die Erfahrung: Stabilität ist immer wieder möglich. Genau darin liegt ihr Potenzial: Vertrauen in Veränderung zu stärken und den Wandel des Lebens anzunehmen.

Meine Vision: In meinen Bildern entstehen im Zusammenspiel von großem Ganzen und kleinstem Detail Gleichgewichte auf Zeit. Damit möchte ich das Vertrauen in Veränderung und Entwicklung stärken.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Ein Blick in meinen Arbeitsprozess

Viele meiner Gemälde entstehen aus urbanen Eindrücken: Perspektiven von Straßen und Brücken, Hafenstrukturen oder architektonischen Linien, die sich im Raum fortsetzen.

In diesem kurzen Video erhältst du einen Einblick in meinen Arbeitsprozess. Ich arbeite überwiegend mit dem Spachtel und entwickle meine Stadtbilder in mehreren Farbschichten, Linien und geometrischen Strukturen.

So entstehen Schritt für Schritt Bildräume, in denen Architektur, Bewegung und Atmosphäre miteinander in Dialog treten.

Biografie

Nina Groth lebt und arbeitet im Raum Hamburg. Die gebürtige Göttingerin wuchs an der Ostseeküste in Lübeck auf. Lebensstationen in Deutschland, Australien und Indien prägten früh ihren Blick auf Städte, Perspektiven und räumliche Strukturen.

Bereits vor ihrer Malerei beschäftigte sie sich mit visuellen Ausdrucksformen wie Fotografie, Urban Sketching und geometrischen Schmuckarbeiten. Seit 2015 widmet sie sich der Malerei.

Heute entwickelt Nina Groth ihre Arbeiten in Serien mit Fokus auf urbane und industrielle Bildwelten. Ihre Werke wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in Hamburg, Barcelona, Zürich und New York gezeigt. Arbeiten von Nina Groth befinden sich in privaten und unternehmerischen Sammlungen im In- und Ausland. Zudem erhielt sie bereits eine erste Publikumsauszeichnung.

→ Aktuelle und vergangene Ausstellungen

Interviews und Veröffentlichungen über meine Arbeit findest du hier:

Interviews & Veröffentlichungen

Künstlerin Nina Groth neben einem ihrer Stadtgemälde