Wer meine Bilder auf einer Ausstellung oder auf meiner Website sieht, erlebt in der Regel nur das fertige Werk. Was davor passiert, bleibt oft unsichtbar. Dabei beginnt ein Gemälde lange bevor die erste Farbe auf die Leinwand trifft.

Viele Besucherinnen und Besucher stellen mir deshalb eine Frage besonders häufig: Wie entsteht eigentlich ein Kunstwerk?

Die Antwort darauf ist kein einzelner Moment. Ein Gemälde entsteht in einem Prozess – von der ersten Inspiration über Skizzen und Komposition bis hin zum eigentlichen Malprozess und der Entscheidung, ein Bild loszulassen.

In diesem Artikel nehme ich dich mit hinter die Kulissen meiner Arbeit.

Vom ersten Impuls zum fertigen Bild

Der Anfang: Inspiration und erste Eindrücke

Viele meiner Arbeiten entstehen aus Eindrücken, die ich in Städten und Häfen sammle. Architektur, urbane Räume und industrielle Strukturen faszinieren mich seit vielen Jahren.

Besonders interessiert mich das Zusammenspiel von Struktur und individuellem Impuls. Städte sind hochorganisierte Systeme – mit Straßenachsen, Gebäuden und technischen Infrastrukturen. Gleichzeitig entstehen darin immer wieder spontane, persönliche Momente.

Diese Spannung zwischen Ordnung und Freiheit bildet die Grundlage vieler meiner Werke.

Oft beginne ich deshalb mit Entdeckungsspaziergängen, Fotostudien oder Skizzen und bringe Impressionen von Reisen mit. Ich beobachte Lichtverhältnisse, Linien und räumliche Strukturen. Diese Eindrücke verdichten sich nach und nach zu einer Bildidee.

Vom Eindruck zur Bildidee

Aus einzelnen Beobachtungen entsteht allmählich eine Komposition. Linien, Perspektiven oder Lichtkorridore geben einem Bild eine erste Richtung.

Dabei arbeite ich nicht dokumentarisch. Meine Gemälde sind keine exakten Abbilder einer Stadt oder eines Hafens. Vielmehr verbinde ich verschiedene Eindrücke miteinander und entwickle daraus eine eigene Bildwelt.

So entstehen Werke, die von realen Orten inspiriert sind, sich aber zu einer eigenständigen Bildsprache verdichten.

Beispiele dafür findest du in meinen Serien Urban Axis und Steel & Sky, in denen urbane Perspektiven und industrielle Hafenlandschaften eine zentrale Rolle spielen.

Materialien, Technik und ungewöhnliche Werkzeuge

Für meine Arbeiten nutze ich vor allem Acrylfarben, häufig kombiniert mit Spraypaints, Bitumen oder strukturgebenden Materialien.

Meine wichtigsten Werkzeuge sind Spachtel und Malmesser, mit denen sich klare Linien, Kanten und strukturierte Farbflächen entwickeln lassen.

Über die Jahre hat sich mein Werkzeugkasten jedoch weit über klassische Malutensilien hinaus erweitert. Immer wieder entdecke ich Materialien oder Gegenstände, die unerwartete Spuren im Bild hinterlassen können. Manche davon finde ich auf Spaziergängen, auf der Straße oder an Orten, an denen andere vielleicht nur alltägliche Dinge sehen würden.

Ein Beispiel dafür ist ein kleines Kunststoffteil aus einer Silvesterbatterie, das ich einmal bei einem Neujahrsspaziergang entdeckt habe. Im Atelier wurde dieses Fundstück zu einem Werkzeug, mit dem ich Linien und Muster ziehen kann.

Solche Gegenstände werden für mich zu persönlichen Werkzeugen, mit denen sich Strukturen, Raster oder spontane Spuren erzeugen lassen. Manchmal nutze ich auch Netze, selbstgebaute Schablonen oder andere Materialien, die interessante Oberflächen oder rhythmische Muster entstehen lassen.

Diese improvisierten Werkzeuge bringen eine zusätzliche Ebene in meine Arbeiten. Sie erlauben mir, kontrollierte Strukturen mit überraschenden Effekten zu verbinden – und genau in diesem Spannungsfeld entstehen oft die spannendsten Bildmomente.

Der Malprozess: Vom Groben zum Detail

Am Anfang eines Bildes steht meist eine grobe Anlage von Flächen und Strukturen. Ich setze erste Linien, lege Farbräume an und beginne, den Bildraum zu entwickeln.

Mit jeder weiteren Schicht verändert sich das Werk. Manche Bereiche verdichten sich, andere werden wieder geöffnet oder überarbeitet. Farben beginnen zu fließen, Strukturen entstehen.

Gleichzeitig gibt es Momente, in denen ich die Ordnung bewusst durchbreche: Ich reiße Farbschichten auf, lasse Farbe laufen oder setze spontane Markierungen.

In manchen Arbeiten ritze ich Worte oder Linien in die noch feuchte Oberfläche. An anderen Stellen entstehen kleine, fast fragile Elemente – reduzierte Zeichnungen, Kritzeleien oder zarte, fast kindliche Formen. Sie wirken wie Spuren, die sich in das industrielle Gefüge einschreiben.

Gerade dieses Zusammenspiel interessiert mich besonders: die Spannung zwischen konstruierten Strukturen und spontanen Gesten.

Nach und nach arbeitet sich das Bild vom Groben zum Detail vor. Lichtreflexe, kleine Linien oder feine Farbverschiebungen geben der Komposition schließlich ihre Tiefe und Lebendigkeit.

Oft sind es gerade diese unscheinbaren Details, die ein Bild beim näheren Betrachten immer wieder neu entdecken lassen.

Ein kurzer Einblick in meinen Malprozess

Manche Schritte meiner Arbeiten entstehen auch unter freiem Himmel, wenn ich Städte oder Hafenlandschaften direkt vor Ort studiere.

In diesem Video kannst du mir bei einem solchen Moment über die Schulter schauen:

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Mehr Informationen

Diese Open-Air-Situationen bringen eine besondere Dynamik in den Malprozess. Lichtverhältnisse ändern sich, Wetter oder Umgebung beeinflussen Entscheidungen – und manchmal entstehen genau dadurch überraschende Lösungen.

Wann ist ein Kunstwerk fertig?

Eine weitere Frage wird mir in Ausstellungen immer wieder gestellt: Wann weiß ich eigentlich, dass ein Bild fertig ist?

Die ehrliche Antwort lautet: Ein Kunstwerk könnte theoretisch immer weiter verändert werden.

Während des Malprozesses durchläuft ein Bild verschiedene Phasen – von experimentellen Ansätzen bis hin zu klaren kompositorischen Entscheidungen. Irgendwann entsteht jedoch ein Moment, in dem sich das Bild stabilisiert.

Die Komposition trägt, die Spannung stimmt und die ursprüngliche Idee wird sichtbar.

Dann beginnt eine letzte Phase: das Beobachten.

In meinem Atelier gibt es Plätze, die für Werke reserviert sind, die sich in der Finalphase befinden. Dort hängen sie eine Zeit lang. Ich gehe immer wieder daran vorbei, betrachte sie aus unterschiedlichen Perspektiven und überprüfe Details.

Manchmal fällt mir noch eine kleine Veränderung ein. Manchmal bleibt das Bild unverändert.

Und irgendwann sagen Kopf und Bauch gleichzeitig: Jetzt ist es fertig.

Der Moment des Loslassens

Ein Bild abzuschließen bedeutet auch, es loszulassen.

Im Atelier ist ein Werk ein Teil von mir. In ihm stecken viele Entscheidungen, Gedanken und Momente des Suchens und Verwerfens. Über Wochen oder Monate begleite ich seine Entstehung – bis irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem ich das Gefühl habe: Jetzt kann es hinaus in die Welt.

Dann beginnt ein neuer Abschnitt. Das Bild begegnet Menschen, die sich darin wiederfinden. Manchmal entsteht dabei ein besonderer Moment: Jemand sieht ein Werk und hat sofort das Gefühl, dass es genau für ihn oder sie gemacht ist. Dann entsteht eine Beziehung zwischen Bild und Betrachter, die weit über den Moment seiner Entstehung hinausgeht.

Viele Sammler*innen erzählen mir, dass sie mit der Zeit immer wieder neue Details entdecken oder dass ein Bild ihre Räume auf besondere Weise verändert.

„Wir haben wiederholt Werke von Nina erworben, weil uns ihre lebendige Darstellung und die Liebe zum Detail immer wieder faszinieren. Ihre Kunst bereichert unser Leben und unseren Wohnraum auf sehr persönliche Weise.“ – Claudia, Hamburg

Solche Rückmeldungen sind für mich besonders schön. Sie zeigen, dass ein Werk nach seiner Entstehung im Atelier ein eigenes Leben beginnt – und Teil neuer Geschichten wird.

Neugierig auf meine Arbeiten?

Wenn du sehen möchtest, wie sich dieser Prozess in meinen aktuellen Arbeiten zeigt, kannst du hier meine Werke entdecken:

Kunstwerke entdecken

Künstlerin Nina Groth beim Malen eines Auftragsgemäldes
Nahaufnahme mit architektonischen Linien und farbintensiven Schichtungen – Urban Axis Passing Through I
Moderne maritime Kunst mit gestapelten Containerstrukturen, Hafenkränen und symbolischen Einritzungen aus der Serie Steel & Sky von Nina Groth.
Künstlerin Nina Groth beim Spachteln eines modernen Stadtbildes
Abstrakte Stadtmalerei mit nächtlicher Lichtdynamik und zentraler Perspektive aus Urban Axis.