Teil des Kunstprojekts TELEPHONE: „Tanzend aus der Dunkelheit“ von Nina Groth
Ausstellung,  Kunstwerk,  Projekt

Mein Beitrag zu TELEPHONE: 950 Künstler – 493 Städte – 72 Länder

Mein Bild „Dancing out of the Dark“ („Tanzend aus der Dunkelheit“) ist Teil des internationalen Kunstprojekts TELEPHONE. Mehr als 950 Künstlerinnen und Künstler aus 493 Städten in 72 Ländern haben über ein Jahr lang für das Projekt originäre, miteinander verbundene Kunstwerke geschaffen. TELEPHONE basiert auf dem Kinderspiel „Stille Post“. Eine Botschaft wird von Künstler zu Künstler über Länder und Kontinente hinweg weitergegeben. Die Entfernung, über die die Botschaft weitergegeben wurde, beträgt mehr als 7 Millionen Kilometer. Heute hat TELEPHONE die Gesamtausstellung gelauncht. Die interaktive und digitale Ausstellung ist komplett kostenfrei.

Und so funktioniert das Spiel genau

Eine Botschaft wird von Künstler zu Künstler und damit von Kunstform zu Kunstform „geflüstert“. Jeder Künstler erhält ein Werk eines anderen Künstlers und übersetzt diese Arbeit in seine eigene Kunstform. Aus Poesie wird zum Beispiel Musik, dann Malerei und dann Film. Dabei entwickelt sich die ursprüngliche Botschaft von Kunstform zu Kunstform weiter. Jede Künstlerin oder jeder Künstler kennt dabei nur das Kunstwerk, das ihr oder ihm zur Übersetzung vorliegt. Wenn Künstlerinnen und Künstler ihre Interpretationen zurückgeben, „flüstert“ das TELEPHONE-Team die Arbeit zwei oder drei anderen Künstlern zu. Das Spiel verzweigt sich somit exponentiell wie ein Stammbaum. Zur Hälfte des Spiels wird die Methode umgekehrt und mehrere Werke werden einem einzelnen Künstler zur Synthese zugewiesen. Das Spiel beginnt mit einer einzigen Nachricht und wird von ungefähr 1000 Künstlern weitergegeben und endet mit einem einzigen Kunstwerk.

Das hat mich begeistert an TELEPHONE

Als ich von TELEPHONE erfuhr, war mir sofort klar, dass ich Teil dieses riesigen internationalen Projekts werden möchte. Meine Bewerbung wurde angenommen! Was mich besonders begeistert an der Idee von TELEPHONE war und ist der weltweite gemeinsame Schaffensprozess – gerade während der Corona-Pandemie und damit in Zeiten der Isolierung. Ein anderer Aspekt, der mich begeistert hat, ist der völlig unbekannte und unerwartete Impuls, den jeder Künstler bekommt. Es war klar, dass ich mich tief auf ein völlig unbekanntes Kunstwerk einlassen muss, um es zu übersetzen.  

Meine persönliche Reise bei TELEPHONE

Das TELEPHONE-Team wies mir einen Song der amerikanischen Musikerin Chelsea Coleman und ein Video des kanadischen Künstlers MR. GREY zu. Die Übersetzung des Songs „Now We Know the Dark“ und des Videos war sehr spannend. Zunächst ließ ich den Song und das Video parallel ein paar Mal auf mich wirken, nahm die Stimmung wahr. Da Video und Song derselben Quelle entstammen, aber von unterschiedlichen Künstlern unabhängig voneinander erstellt wurden, konnte ich mir das Video als begleitendes Songvideo vorstellen. Beides passte für mich zusammen.

Der Song hat mich stark berührt. In ihm steckt für mich etwas ganz Zartes und Hoffnungsvolles. In Video und Song geht es für mich um das immerwährende und sich stetig wiederholende Wechselspiel aus Jahreszeiten, Tag und Nacht, Licht und Finsternis, Freude und Leid, Hoffnung und Verzweiflung. Eben um ein urmenschliches Thema. Für mich persönlich ist die Botschaft, dass nach der Finsternis immer wieder das Licht kommt – egal, wie dunkel die Nacht sein mag. Es geht um Auferstehung, um Neuanfang, um Unerwartetes und Wiederkehrendes, um Schwere und Leichtigkeit, um Tanz und Starre, die sich irgendwann wieder auflöst. Vielleicht hat mich der Song auch deshalb so berührt, da es in Deutschland gerade Winter war, es war kalt, es schneite in Hamburg. Ich wartete – und warte nebenbei noch immer – auf den Frühling. Und ein Neuanfang stand bei mir auch in anderer Hinsicht kurz bevor: Ich bin zwischenzeitlich umgezogen.

Blick hinter die Kulissen: Arbeitstisch bei der Entstehung des Bilds „Tanzend aus der Dunkelheit“

Meine Übersetzung in die Malerei

Ich habe mich für eine teil-abstrakte Übersetzung in die Malerei entschieden. Ich wollte meinem Bild etwas Leichtes, Zartes und Hoffnungsvolles geben und entschloss mich den Einstieg in den Song zu nutzen, der von Frühling und Kirschblüten handelt, die nach der langen Dunkelheit des Winters wieder aufgehen. Auch im Video kommt leichte und frühlingshafte Farbgebung vor – betrachtet man die über der Dunkelheit tanzenden Figuren. Insofern übersetzte ich zunächst das Freudige von Song und Video in Form eines zarten Hintergrundes bestehend aus Grün- Braun-, Rosatönen, Blattgold sowie Bronzepulver. Ich ergänzte den Hintergrund meines Bildes um zarte Kirschblüten.

Die Figuren aus dem Video und das kalifornische Element von Song und Video griff ich ebenfalls als Figuren auf. Meine Figuren sind Tänzerinnen, der der Dunkelheit entsteigen. Die Gesichter sind verborgen, denn das urmenschliche Thema von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit ist gesichtslos. Die Figuren gehen dem Frühling entgegen. Sie befinden sich in tanzender Bewegung und begrüßen ihn. Sie verlassen in meinem Bild die Dunkelheit, die sie partiell umhüllt. Wichtig war mir, dass die Dunkelheit im Bild zwar erkennbar ist, aber sich nach oben im Bild hin auflöst und dem Frühling Platz macht. Denn für mich ist die zentrale Message nicht immerwährende Verzweiflung, sondern Hoffnung.

Ich wünsche ganz viel Spaß beim Entdecken dieses unglaublichen Projekts! Meine Künstlerseite im Projekt gibt es unter: https://phonebook.gallery/artists/nina-groth. Ich freue mich auch über Feedback, über mein Kontaktformular oder auch bei Instagram.

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